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Vorurteile Zweithund: Unsere Top Five!

„Was wollt ihr denn mit noch einem Hund? Ihr habt doch schon einen!“ – Diesen und viele anderer solcher Sätze mussten wir vor Daridas Einzug in Dauerschleife über uns ergehen lassen. Jeder meinte plötzlich, Hundeflüsterer zu sein. Obwohl sie noch nie einen Hund hatten, waren sie alle so viel schlauer als wir. Für uns war früh klar: Euch werden wir’s zeigen! Projekt Zweithund wird sowas von gemeistert!

Die Rede ist hier von Vorurteilen die viele Hundehalter von Freunden, Familie, Bekannten oder, auch ganz nett, völlig Fremden bekommen, wenn es an den Gedanken „Zweithund“ geht. Für das Herrchen und mich war aber von vornherein klar: Die einzigen Meinungen die uns interessieren, sind die von unseren Nachbarn (wir leben im selben Haus) und von unserer Vermieterin. Die anderen Meinungen hatten ab sofort Sendepause. Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Dachten wir zumindest.

Denn so ganz los lassen einen diese Kommentare dann doch nicht. Ich lag viele Nächte lang wach, habe hin und her überlegt, ob wir Hayley vernachlässigen und einen riesigen Fehler machen würden. Zum Glück habe ich schlussendlich auf mein Herz gehört und Hayley das größte Geschenk ihres Lebens gemacht: eine kleine Schwester, beste Freundin und Seelentrösterin.

Trotzdem möchte ich euch die bunte Mischung an Kritiken nicht vorenthalten – also hier sind sie: Unsere Top Five.

 

Darida und Hayley im September

 

Platz 5: „Was wollt ihr mit noch einem Hund, einer reicht doch?!“

Ja, genau. Und weil du ein Paar Schuhe hast, kaufst du dir kein Zweites? Ich bin noch heute nicht hinter diese Logik gekommen. Als würde das eine das andere ausschließen.

In meinem Kopf war dieses Vorurteil genau eine Millisekunde nachdem es ausgesprochen wurde schon wieder entkräftet worden. Wer schon ein Mal zwei Hunde hat spielen sehen weiß, dass sie einander brauchen. Ein Mensch könnte auf Dauer auch nicht alleine leben. Der Hund sieht uns Menschen zwar als Sozialpartner an, aber wir können einen anderen Hund logischerweise nicht zu 100% ersetzen. Versteht mich nicht falsch, ich meine damit nicht, dass ein Einzelhund nicht glücklich wäre, das stimmt nämlich nicht. Es war für uns persönlich nur einfach klar, dass wir gerne zwei hätten, sodass ich auch guten Gewissens mal sechs – sieben Stunden am Tag fernbleiben kann, ohne ein (allzu großes) schlechtes Gewissen zu haben.

Platz 4: „Den Tierarzt könnt ihr euch doch gar nicht für zwei Hunde leisten!“

Zugegeben, wenn wir ein Worst-Case-Szenario hätten, in dem sich beide Mädels schweren OPs unterziehen und viele teure Untersuchungen über sich ergehen lassen müssten, dann würde es schon echt eng werden. Da will ich euch auch keine Märchen auftischen, ob wir das schaffen würden, steht echt in den Sternen.
Aber: Wir haben eine tolle Tierärztin und eine tolle Tierklinik bei uns im Ort, die auch Ratenzahlungen erlaubt. Zudem haben wir uns dazu entschlossen, für die Mädchen eine Krankenversicherung abzuschließen. Wenn alle Stricke reißen, geht es eben zur Bank und wir nehmen einen Kredit auf – so einfach ist das. Ob ich mich für meinen Hund verschulden ließe? Auf jeden Fall ! Das Leben meiner Hunde ist so viel wichtiger als alles materielle in meinem Leben.
Solange dieser Worst-Case nicht auftritt, sind wir ziemlich gut aufgestellt, sowohl mit oben genannten Maßnahmen, als auch mit finanziellen Reserven. Darüber hinaus haben unsere Mädels tolle Großeltern, die niemals nie davor zurückschrecken würden, uns mal aus der Patsche zu helfen – auch wenn das die allerletzte Möglichkeit ist.

Platz 3: „Aber was ist, wenn die beiden Hunde sich nicht mögen?“

Das wäre in der Tat extrem traurig. Diese Frage hat mich sehr sehr lange beschäftigt und ich konnte mich auch nur schwer selbst beruhigen. Dann sah ich Hayley mit dem Hund meiner Schwester und es lief doch gut.

Meine Mutter hat noch einen Hund im Haushalt (in dem auch meine Schwester lebt), nämlich den Yorkshire Terrier Sammy. Sammy ist ein ganz schönes Biest und mit seinen neun Jahren auch schon echt im Rentnermodus angelangt. Immer wenn Hayley und Melody also gespielt haben, hat er gebellt und richtig Radau gemacht. Der kleine Kerl wollte eben seine Ruhe.

„Bringt es wieder zurück!“ – Hayley womöglich über Darida, an ihrem 2. Tag bei uns

 

Aber trotzdem: Obwohl Sammy überhaupt keine Lust auf Melody und Hayley hatte, hat er sie akzeptiert. Sie hatten ihre Rangordnung und haben, soweit es ihnen möglich war, versucht Rücksicht aufeinander zu nehmen. Natürlich wäre das jetzt nicht mein Traum von einem Zusammenleben im Rudel, aber es wäre doch auch halb so wild.
Darüber hinaus ist Hayley jetzt auch nicht so alt. Als Darida einzog, war sie knapp 1,5 Jahre alt, also irgendwo immer noch ein Junghund. Da sollte es ja wohl machbar sein, ihr einen Welpen an die  Pfote zu geben?
Als Darida dann einzog, war Hayley anfangs echt nicht überzeugt von dem kleinen Fellmonster. Ich war den Tränen nahe und echt am verzweifeln – dann musste ich mich selbst einfach mal daran erinnern, geduldig zu sein. Immerhin ist da jetzt ein kleines schwarzes Wesen in Hayleys heilige Hallen gezogen – ich selbst würde da auch erstmal auf die Barrikaden steigen!
Zum Glück hat sich das Problem gelöst und die zwei sind ein Herz und eine Seele.

Platz 2: „Die Erziehung kannst du doch gar nicht hinbekommen – das ist ja doppelter Aufwand!“

Naja, wie man’s nimmt. Natürlich musste ich anfangs echt improvisieren und ausprobieren, wie das Training mit zwei Hunden denn am besten klappt. Ich hab viele Methoden im Internet nachgelesen, beispielsweise, dass der erste Hund in einem anderen Raum bleibt, während der zweite trainiert und dann wird getauscht. Klappt ganz gut, aber das war nicht so meins.
Ich hab die zwei so konditioniert, dass sie auf ihre Namen hören. Wenn ich „Hayley“ sage, hat Darida Ruhepause und andersrum genau so. Natürlich üben wir auch einzeln, alles andere wäre meiner Meinung nach total unfair. Allein um die Bindung zwischen unserem Neuzugang und uns zu stärken, muss ordentlich was getan werden.

Dann ist da noch die Tatsache, dass Darida sich sehr viel von Hayley abguckt (leider auch die kleinen Macken), was Vieles erleichtert, Einiges aber auch echt erschwert. Zum Glück war Hayley vor Daridas Einzug recht gut erzogen, sodass Darida sich einiges problemlos abgucken konnte (z.B. ruhig warten, wenn es klingelt und sich die Tür öffnet). Leider hat sie aber auch die Leinen-Rambo-Fähigkeiten von Hayley übernommen – da gibt es beispielsweise täglich Einzelstunden mit den Mädels.

„Nimm es endlich weg von mir!“

 

Im Nachhinein betrachtet wäre es bestimmt einfacher gewesen, den Ersthund perfekt zu erziehen. Aber mal ehrlich, muss mein Hund alles perfekt können? Das kann ich schließlich auch nicht. Solange wir niemanden mit unserer Anwesenheit belästigen, ist doch alles in Ordnung – oder?

Platz 1: „Aber nicht, dass ihr mir Hayley vernachlässigt!“

Wow. Puuh.. den Satz musste ich echt erstmal sacken lassen. Was geht in den Köpfen mancher Menschen vor? Denken die wirklich, wir sehen unsere Hunde als eine Art Spielzeug? Wenn das neue kommt, verstaubt das alte in der Ecke?
Was jedem klar sein muss: Klar, der Ersthund wird ein wenig in Sachen Aufmerksamkeit einbüßen müssen. Es geht schließlich nicht anders, er ist jetzt nicht mehr allein. Das neue Rudelmitglied muss erzogen werden, muss lernen wie es in unserem Rudel so läuft und das braucht Zeit und vor allem Aufmerksamkeit. Allein das Training zum sauber werden hat ewig gedauert und unsere vollste Konzentration erfordert.

Aber das war es dann auch schon. Der erste Hund wird nicht einfach in die Tonne gekloppt oder in den Keller verfrachtet, nur weil der Zweithund jetzt da ist. Ich persönlich habe mir fest vorgenommen, den beiden ihre ganz persönliche „Quality-Time“ einzuräumen. So hat Hayley ein Mal die Woche mit mir Agility und Darida  – naja, die muss ja noch viel üben, also sind wir hauptsächlich mit Leinentraining beschäftigt. Meine Mädels wirken sehr ausgeglichen, keine knurrt die andere an (es sei denn Hayley möchte Darida mal wieder das Dörrfleisch stibitzen), keine Spur von Eifersucht.

„Fass meinen Welpen an und du bist fällig!“ <3

 

Fazit:

An den meisten Vorurteilen ist natürlich – wie so oft im Leben – ein Funke Wahrheit enthalten. Allerdings liegt es vor allem an dir selbst und was du daraus machst. Natürlich hätte ich mich hinsetzen und meinen Wunsch vom Zweithund über Bord werfen können, aber das wäre nicht ich. Ich habe mich stattdessen hingesetzt und nach Lösungen gesucht. Das jeweilige Worst- Case – Szenario heraus gearbeitet und für mich überlegt, ob und wie gut ich damit leben könnte. Meine super lieben Cavaliermädchen haben mir dann zum Glück Stück für Stück alle meine Sorgen genommen.
Merke also: Es wird immer jemanden geben, der das was du tust nicht mag. Im Endeffekt geht es aber darum, ob du dich noch mögen kannst und ob du damit leben kannst, wenn „das Schlimmste“ eintritt. Ich konnte es.
Bis Bald,
 
Eure Cavalierädchen
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5 Kommentare

  • Reply Unknown

    Also, ich finde Menschen, die solche Kommentare vom Stapel lassen, einfach furchtbar….ein guter Hundehalter läuft ja nicht einfach los, und holt sich auf die Schnelle mal einen zweiten Hund…es sind Lebewesen und keine Schokolade, auf die man plötzlich Heisshunger hat, und dann schnell zur Tanke läuft… jeder gute Hundehalter denkt lange und intensiv darüber nach…. Ansonsten wäre er ohnehin kein guter Hundehalter und sollte nicht mal einen Hund haben !

    22/10/2017 at 21:49
  • Reply Cavaliermädchen

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen – das unterschreibe ich so! 😁

    21/10/2017 at 10:52
  • Reply Tina liest lieber

    Vor der Anschaffung eines weiteren Hundes Dinge zu Bedenken zu geben ist sicherlich nicht verkehrt, jemandem seine Meinung aufdrücken zu wollen schon – vor allem, wenn man die Zielperson eigentlich nicht so gut kennt oder wenn es einen aber auch so wirklich nichts angeht. Leider liegt es in der Natur der meisten Menschen, eben das zu tun.
    Ja, wenn man mehrere Hunde hat bzw. sich diese anschafft, gibt es einiges zu bedenken. Die Futterkosten, die Tierarztkosten, der Zeitaufwand oder wie manage ich die Erziehung, was mach ich, wenn ich mich mal nicht kümmern kann oder will (zB war für uns klar, dass es ab dem 2. Hund nur noch Urlaub MIT Hund geben würde). Für mich selber war auch immer klar "Rudel FIRST" 😀 sprich, ich verzichte lieber auf alles andere, als dass ich zB. Tierarztkosten scheue. Es kann teuer werden, aber gerade bei der Zahlbereitschaft der Menschen heutzutage für technisches Equip, Autos oder Urlaube sehe ich nicht ein, wieso man nicht auch mal ein paar Scheinchen für das Wohl des Familienmitglieds Hund auf den Tisch legen sollte.
    Und, ja, es gibt Menschen, die schaffen es, den ersten Hund für den 2. zu vernachlässigen – zB wenn der 1. Hund zurückhaltender ist, während der 2. seine Streicheleinheiten vehement einfordert und dabei noch super charmant ist. Das habe ich leider bie meiner Chefin vor Jahren selber beobachtet. Der Ersthund hat lang still gelitten, dann kams zum Eklat, bei dem er regelmässig auf den Zweithund losging. Man musste die beiden trennen.
    Wir selber haben 3 Stück, lieben alle 3 und sind glücklich.
    Und ich zitier mich da immer gern selber: "Es gibt nur eine Sache, die besser ist als ein Hund – ZWEI Hund !!" und es gibt nur eine Sache, die besser ist als zwei Hunde… genau, drei 😀 usw. – immer vorausgesetzt, dass man das Ganze auch bewältigen kann.

    21/10/2017 at 10:47
  • Reply Cavaliermädchen

    Über einige Dinge habe ich auch nachgedacht. Aber immer vom schlimmsten auszugehen, empfand ich persönlich als Vorurteil. Natürlich hab ich mir Gedanken darüber gemacht, ob die Tierarztkosten zu stemmen sind etc. Aber ich hätte mich nicht für einen Zweithund entschieden, hätte ich die Fragen nicht für mich beantwortet. ☺️

    14/10/2017 at 21:00
  • Reply Genki + Co.

    Ich finde garnicht, dass das "Vorurteile" sind. Nr 5 ist einfach nur doof, aber der Rest sind doch berechtigte Sorgen und keine Vorurteile. Das sind zumindest alles Dinge über die ich viel und lange selbst nachdenken musste, bevor wir uns einen zweiten Hund geholt haben.

    14/10/2017 at 20:58
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